Tagebuch 2004
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Tagebuch 2004


Zur Geschichte des Initiativkreises 8. Mai Langenau

"Für uns Deutsche kann der 8. Mai kein Anlass zu Festreden sein. Zu sehr ist der Weg, der schließlich in das Jahr 1945 geführt hat, von Verbrechen begleitet, die im deutschen Namen begangen wurden. Zu groß war das Opfer an Menschenleben , das fast jede Familie dieser schreckliche Krieg gekostet hat."

Dieser Auszug entstammt einer Erklärung von 68 Langenauer Bürgern, die Anfang Mai 1985 in der Heimatrundschau der Stadt Langenau veröffentlicht wurde. Zum ersten Mal wurde in diesem Jahr - 40 Jahre nach dem Kriegende und der Befreiung vom nationalsozialistischen Terror-Regime - in einer Veranstaltungsreihe dieses für die Menschheit so bedeutsamen Datums gedacht. Aus diesem Anlass hatten sich  Bürger unterschiedlicher politischer und weltanschaulicher Herkunft zusammengefunden, Menschen aus den beiden großen Kirchen, aus den Gewerkschaften, der SPD, der CDU, den Naturfreunden, der Friedensgruppe Langenau.

Die Veranstaltungsreihe fand großen Zuspruch, so dass dieser lose Personenzusammenschluss vereinbarte, weiterhin unter dem Namen ,Initiativkreis 8. Mai Langenau' Veranstaltungen zu historischen und aktuellen Themen zu planen und durchzuführen.

Es entstand eine Dokumentation der Veranstaltungsreihe zum 40. Jahrestag der Befreiung von Krieg und Nazidiktatur, in der unter anderem eine geschichtliche Stadtführung unter dem Titel ,Langenau unter dem Hakenkreuz' abgedruckt wurde, die zu einer heftigen Leserbrief -Debatte in ,Langenau aktuell' führte..

Die Ansprache des Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker anlässlich des 40 Jahrestages der Beendigung des Zweiten Weltkrieges, die im Inland wie im Ausland auf große Beachtung stieß und die ebenfalls  dieser Broschüre beigelegt war, bildete eine Art Leitfaden für die Weiterarbeit des Initiativkreises.

Die Rede schließt mit einer Bitte an die Jugend:

"Lassen Sie sich nicht hineintreiben in Feindschaft und Hass gegen andere Menschen: gegen Russen oder Amerikaner, gegen Juden oder Türken, gegen Alternative oder Konservative, gegen Schwarz oder Weiß.

Lernen Sie, miteinander zu leben, nicht gegeneinander."

 



Schwerpunkte der Aktivitäten des Initiativkreises 

1985

Die offene deutsche Frage

Vortrag und Diskussion mit Prof. Daschitschew von der Akademie der Wissenschaften in Moskau und Spezialist für deutsche Geschichte.


1987

Gedenkveranstaltung zum Beginn des Zweiten Weltkrieges September 1939

Zu dieser erstmals in Langenau durchgeführten Veranstaltung luden ein: die Katholische Kirchengemeinde, das Ortskartell des Deutschen Gewerkschaftsbundes, die Naturfreunde und der Initiativkreis 8. Mai.

Dokumentation über den Beginn des 2. Weltkrieges (Langenau aktuell vom 27. August 1987)


1989

Frieden kommt nicht von allein

Gedenkveranstaltung zum 50. Jahrestages des Kriegsbeginns am 1. September

Wilmar Jakober berichtete aus der Stadtchronik über die Kriegsjahre, Bürgermeister Wolfgang Mangold sprach ein Grußwort und Friedensforscher Peter Barth hielt einen Vortrag über Friedenspolitik in den 90er Jahren'.

Im November wurde das vom Initiativkreis herausgegebene Buch,"Der schwierige Weg zur Demokratie - Langenau in den Jahren 1945 - 49" der Öffentlichkeit vorgestellt. Das Buch ist bei der Buchhandlung Mahr zum Preis von 5.-€ erhältlich.


1990

Deutschland - eine neue Chance für Frieden, Abrüstung und Entspannung

Veranstaltung zum Antikriegstag am 1. September

mit Prof. Dr. Ulrich Albrecht, Leiter des Planungsstabes beim Ministerium für  Angelegenheiten der DDR und Peter Barth, Friedensforscher aus München

Gemeinsame Veranstaltung des Initiativkreises mit der Evangelischen Kirchengemeinde, dem DGB, den Naturfreunden und der Ulmer Volkshochschule.


1991

Krieg am Golf

Veranstaltung des Initiativkreises, der evangelischen Kirchengemeinde, der Naturfreunde, des DGB und der Vh mit Peter Barth anlässlich den Angriffs der USA auf den Irak.

1992

Schweigemarsch gegen Hass und Gewalt am 18. Dezember

Nachdem am 14. November auf das im Bau befindliche Wohnheim für Asylbewerber ein Brandanschlag verübt worden war, hatten Ralf Wildermuth, Peter Schulz, Oliver Necknig und Martin Häge die Initiative zu dieser Demonstration ergriffen, die vom Initiativkreis, der SPD und vom Stadtjugendring Langenau unterstützt wurde.

Vorausgegangen war eine Unterschriftensammlung unter eine Erklärung mit der Überschrift ,Die Menschenwürde ist unantastbar', die von knapp 900 Langenauern unterzeichnet wurde und als ganzseitige Anzeige in der ,Heimatrundschau erschien. Dort hieß es unter anderem:

"Brandanschläge auf Wohnheime von Asylbewerbern sind deshalb auch in Langenau Anschläge gegen die Menschlichkeit. Weil aus unserer Mitte heraus innerhalb eines halben Jahres jetzt schon zum dritten Mal die Menschenwürde brandstiftend mit Füßen getreten wurde, dürfen wir nicht länger schweigen. ..."

Tragen wir unseren Teil dazu bei, dass Ausländer, politisch Verfolgte und Flüchtlingen, die durch Krieg, Hunger und Elend zu uns getrieben werden, in Langenau und anderswo in Frieden leben können."

In der Heimat Rundschau erschien auch ein Aufruf von Bürgermeister Mangold:

"Gemeinsam gegen Gewalt..." 


1995

Veranstaltungsreihe zum 50. Jahrestag des Kriegendes und der Befreiung vom Naziregime

Vortrag und Diskussion mit Ignaz Bubis, Vorsitzender des Zentralrats der Juden in Deutschland.

- Wettbewerb Erinnerung für eine bessere Zukunft", bei dem sich 109 Personen beteiligten.


1999

Wettbewerb ,Demokratie braucht Bewegung' anlässlich des 50.  Geburtstages der Bundesrepublik

 

Bericht aus Langenau Aktuell vom 29.07.1999


2001

1. Aktionstag gegen Gewalt - für Toleranz und Menschlichkeit am 27. Januar

Mahlzeit!  - Wir leben in Deutschland

Veranstaltungsreihe in Zusammenarbeit mit der Heinrich Böll-Stiftung Baden-Württemberg

Migrantinnen und Migranten meldeten sich zu Wort, die mit uns ,In-Ländern' leben und doch oft als ,Aus-Länder' gelten

Der in Deutschland lebende türkische Schauspieler Serdar Somuncu erzählt von den vielfältigen Erlebnissen, die er bei seinen Lesungen aus Hitlers 'Mein Kampf' in beinahe 5 Jahren gesammelt hat.

Fatma Bläser liest aus ihrem autobiografischen Roman: Sie ist neun, als sie mit ihrer Familie von Ostanatolien nach Deutschland kommt. Als sie schließlich ihr Leben selbst in die Hand nimmt, hat sie Gewalt und Unterdrückung erfahren, aber auch von der ,Milch der Freiheit' getrunken

Ghazi Abdel-Qadir trug im Stile eines orientalischen Geschichtenerzählers eine Sammlung nachdenklich stimmender und zugleich heiterer Geschichten vor, die von den Missverständnissen und den Schwierigkeiten des menschlichen Zusammenlebens handelten.


2002

27. Januar:  2. Aktionstag gegen Gewalt - für Toleranz und Menschlichkeit


2003

27. Januar:  3. Aktionstag gegen Gewalt - für Toleranz und Menschlichkeit

7./8. März Die Welt ist keine Ware

Tagung in Zusammenarbeit mit Heinrich Böll-Stiftung Baden-Württemberg, Vh Ulm, Weltladen, DGB, NGG, Stadtjugendring

Bericht in Langenau aktuell


2004

Am 24.09.2004 wurde in Langenau ein Friedens-Symbol eingeweiht

Armut und Reichtum in Deutschland

Tagung am 19./20. November in Langenau

In Zusammenarbeit mit DGB, NGG, Weltladen und Diakonieladen

Nachdenklich Stimmendes

,Eher kommt ein Kamel durch ein Nadelöhr<

als ein Reicher in den Himmel'

(nach Matthäus 19/24)


Vermögensparade 

Holger Stein, Mitarbeiter beim Forschungsbereich ,Öffentliche Wirtschaft und soziale Sicherung' an der Universität Frankfurt hat die Vermögensverteilung in Deutschland in ein Bild gesetzt. Er hat dafür einen Haushalt mit durchschnittlichem Vermögen in eine Person mit der Durchschnittsgröße von 1,75 m umgerechnet. Er geht mit seiner ,Vermögensparade' von der Annahme aus, sämtliche Haushalte der BRD würden in einer Stunde am Betrachter vorüber ziehen.

Sechs Minuten lang würde man gar nichts sehen, weil die Betroffenen kein Vermögen haben.

Nach 20 Minuten hätten die Vorbeiziehenden eine Körpergröße von 19 cm.

Nach 30 Minuten kämen Zwerge in der Größe von 60 cm.

Nach ungefähr 40 Minuten tauchen die ersten durchschnittlich Gewachsenen auf, die jedoch bald von Menschen mit der doppelten Körpergröße abgelöst würden.

Kurz nach Beginn der letzten Minute wären die Menschen über 40 Meter groß.

Die 100 Reichsten marschierten außer Konkurrenz, sie erreichen eine Höhe von 41 km.

Für den griechischen Staatsmann und Philosophen Platon war die Sache so:

Mehr als viermal soviel wie ein normalen Bürger sollte ein Reicher nicht besitzen. ,Wer auf irgendeine Weise mehr erwirbt, hat den Überschuss dem Staat zu geben'

Heiner Geißler, früherer Generalsekretär der CDU, weist in seinem Buch ,Zeit das Visier zu öffnen' auf die ,Widersprüche des globalen Kapitalismus' hin. Er schreibt:

"Nur verblendete Egoisten können glauben, dass eine solche Wirtschaftsordnung noch etwas mit Achtung der Menschenwürde, Gerechtigkeit oder menschlicher Vernunft zu tun hat.".


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